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Dust and Diesel – Das Fazit – 25.01.2013

28. Januar 2013 Kategorie: Backstage Tags: , ,

Das kalte Deutschland hat mich wieder. Nach 26 Tagen sind wir am 19. Januar wohlbehalten in Frankfurt gelandet. Natürlich kommt nun von vielen Seiten die Frage: und, wie war’s? Darauf eine kurze Antwort zu finden fällt mir schwer. Trotzdem werde ich probieren, ein kleines Fazit zu ziehen und mich dabei kurz zu fassen und meine Gedanken zu sortieren – mal sehen, wie das gelingt.

 

Sensationell, aufregend, neu, spannend, viel, überwältigend, wertvoll, eindringlich, nachdenklich machend: das sind einige Adjektive, welche die Gefühle auf der Reise gut treffen.
Nachdem ich vorher noch nie in Afrika war und diese Route nie gefahren bin, sind allein die Eindrücke währen der Fahrt – immerhin waren es insgesamt gute 6000 km – unglaublich umfangreich. Die Landschaften haben sich ständig geändert und dabei die schönsten Ausblicke zugelassen: Berge, Seen, das Meer, Steppenlandschaft, Wüste, Strand, Oasen etc.
Zu diesen Blicken gehörte aber auch der unzählige Müll, den man überall sieht. Selbst in Teilen der Wüste sind Plastikflaschen und Tüten nicht selten. Doch das gehört zu Afrika! Und das ist eine der größten Lektionen dieser Reise, derer man sich sehr schnell bewusst wird: Die Afrikaner haben andere Sorgen, als sich auch noch über den Umgang mit ihrem Abfall Gedanken zu machen. Armut, Bildungsrückstand, kein richtiges Gesundheitssystem, stark religiös geprägte Gesellschaftssysteme und Korruption – damit haben die Völker zu kämpfen.
Gerade in Mauretanien (hier gibt es bei 3,2 Millionen Einwohnern ca. 500 000 Sklaven) ist die Armut wirklich greifbar. Während unseres Aufenthalts in der Hauptstadt Nouakchott haben wir erfahren, dass eine öffentliche Schule keinen Wasseranschluss hatte, weil 300 Euro für die Leitung fehlten – einige Rallyeteilnehmer haben sich spontan bereit erklärt, die Kosten zu übernehmen. Wenn man diese Umstände bedenkt, ist es umso schöner, wenn man mit dem Verkauf der Autos vor Ort einen kleinen Teil dazu beitragen kann, Kindern bessere Bildungs- und somit Zukunftschancen zu ermöglichen. Insgesamt haben die Autos ca. 21000 Euro in die Projekte gespült. Genug, um für ein halbes Jahr alle Kosten (Miete, Angestellte, Essen, etc.) zu decken. Generell ist es bedenklich, wie wenig den Leuten zum Leben reicht und in welchem Überfluss wir leben. Sorry für den moralischen Hieb, aber das bleibt nach einer solchen Reise nicht aus.
Die aufregendste Station der Reise waren sicherlich die 4 Tage in der Wüste. Zum einen landschaftlich und zum anderen bezüglich des Fahrerlebnisses. Man kann sich nicht vorstellen, was gewöhnliche Autos aushalten. Man fährt über Dünen, am Strand, man ist oft mit zwei Reifen in der Luft und schlägt hart auf, der Untergrund ist teilweise wie betonhartes Wellblech, welches jede Schraube zu lockern scheint – doch die Autos überstehen das. Unser Bus ist nicht einmal im Sand stecken geblieben, hatte keine Reifenpanne, kein Öl oder Wasser gebraucht. Vielleicht wäre eine Reinigung angebracht gewesen, schließlich war der rote Blitz am Ende sandgestrahlt.
Was mir auch immer in Erinnerung bleiben wird ist die Ruhe und die Dunkelheit in der Sahara. Wenn die Sonne untergegangen ist, verstummt der Wind und es wird dunkel, ohne Leuchtglocken irgendwelcher Dörfer oder Städte; einfach nur dunkel. Zum ersten Mal habe ich auch den Sternenhimmel in seiner vollen Pracht sehen können. Und da sind wirklich viele Sterne da oben. Als nützlich und als willkommener Lacher am Abend hat sich übrigens meine Eurolite Taschenlampe erwiesen. Wenn jemand ein Sternenbild erklären wollte hat er einfach die Taschenlampe genommen und die Sterne angeleuchtet – in der dunklen Umgebung wirken die LEDs wie ein riesiges Laserschwert oder ein ordentlicher Skybeam.
Gerade nach den jüngsten Vorfällen in Mali und Algerien haben mich viele nach der Sicherheitslage gefragt. Kurzum: Ich hatte nie Angst und auch nie das Gefühl, das irgendwas passieren könnte. Das liegt sicherlich daran, dass wir in Mauretanien mit Militärschutz und im Konvoi gefahren sind , zudem waren wir ganz im Westen und nicht im Landesinneren unterwegs.
Ich bin sicherlich noch länger damit beschäftigt, die Eindrücke zu verarbeiten und einzuordnen, aber eines ist sicher: es war ein Abenteuer, das sich lohnt und das ich bei Gelegenheit gerne nochmals eingehen werde.
Danke an alle unsere Unterstützer und an die Leute, die an uns gedacht und mitgefiebert haben!
Michael
 
 
 

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