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Digitales Lautsprechermanagement – Teil 2

Lautsprecher Management

Die im ersten Teil beschriebenen Werkzeuge wollen wir nun ergänzen. Wir beginnen mit den Equalizern – ebenfalls ein wichtiger Bestandteil von Lautsprecher-Controllern. Mit Hilfe voll-parametrischer Equalizer lässt sich der Frequenzgang einer Beschallungsanlage korrigieren. Während Equalizer an Mischpulten oft nur semi-parametrisch ausgelegt sind, sich also nur die Amplitude und die Arbeitsfrequenz ändern lassen, ist bei einem voll-parametrischen Equalizer auch die Filtergüte, also die Form der Glocke variabel. Hierbei ist zu beachten, dass eine hohe Güte bzw. ein hoher Q-Faktor einer schmalen Bandbreite entspricht und umgekehrt. Wie schon oben bei den Filtertypen angemerkt, sind zu starke Eingriffe in das Frequenzverhalten zu vermeiden, da sonst die erzeugten „Phasenschweinereien“ den positiven Effekt der Korrektur wieder zunichte machen. Hier ist weniger oft mehr!
FilterFast jeder Controller verfügt auch über eine Delay-Funktion zur gezielten Verzögerung des Signals, wobei es zwei wesentliche Unterschiede zu machen gilt. Ein Einsatzzweck eines Delays ist die zeitliche Verzögerung des Signals für eine zweite Lautsprecherlinie, die sich weit von der Hauptanlage entfernt befindet. Diese „Delay-Lines“, die bspw. 30 oder 50 Meter von der Bühne entfernt mitten im Publikum positioniert sind, müssen entsprechend der Schallgeschwindigkeit stark verzögert werden, damit die Klanganteile von Hauptanlage und Delay-Lines zeitlich nicht unterschiedlich sind. Der zweite Einsatzzweck ist die Laufzeitkorrektur in der Hauptanlage selbst. Befinden sich die Subwoofer räumlich vor oder hinter den Höhen/Mitten-Lautsprechern, so kann dies mit einem kleinen Delay korrigiert werden. Auch koaxial angebrachte Lautsprecher, also bspw. ein Horn vor einem Mittenton-Woofer, müssen ggf. in der Laufzeit korrigiert werden, da es im Übergabebereich der beiden Schallquellen bereits zu ungewollten Phasenauslöschungen kommen kann. Apropos Phase: Einige Lautsprecher müssen bauartbedingt in der Phase um 180° gedreht werden, was ebenfalls mit dem Controller bewerkstelligt werden kann.

Zu den wichtigsten Schutzfunktionen einer größeren Beschallungsanlage gehört der Limiter, der ebenfalls in den meisten Audio-Controllern zu finden ist. Zu unterscheiden sind hier Peak-Limiter, die kurze Impulse abfangen und somit die Lautsprecher vor mechanischen Schäden schützen und RMS-Limiter, die den Durchschnittspegel überwachen und somit auch die thermische Belastung der Lautsprecher in Grenzen halten sollen. Nicht zuletzt können Limiter auch eine Hilfe zur Einhaltung von Lärmschutzvorschriften sein. Wichtige Parameter sind die Attack-Zeit, also wie schnell der Limiter ansprechen soll und die Release-Zeit, welche die Mindestdauer für die Reduzierung des Pegels vorgibt. Damit der Limiter weiß, ab welchem Pegel er eingreifen soll, muss unbedingt der Schwellenwert oder Threshold richtig eingestellt sein. Der Begriff Ratio kommt eher bei regulären Kompressoren vor und beschreibt die Stärke bzw. das Verhältnis der Kompression (1:1 bedeutet keine Kompression, ab 10:1 spricht man von einem Limiter). Limiter stellen eine extreme Form des Kompressors dar und haben deshalb meist einen unveränderlichen Ratio-Wert. Sie unterscheiden sich wie Kompressoren auch in ihrem Ansprechverhalten: Hard Knee bedeutet, dass die Amplitude bei Erreichen des Schwellenwertes „hart“ abgeknickt wird, während bei Soft Knee ein weicherer Übergang stattfindet, der bereits vor dem Threshold beginnt.

System-Controller haben oft nur eine Höheneinheit im Rackformat und sind deshalb recht unkomfortabel am Gerät selbst zu bedienen. Mittels Schnittstellen wie USB, RS232 oder Ethernet kann man sie aber meist auch bequem von einem Computer aus bedienen. Über die grafische Oberfläche hat man alle Funktionen im Griff und kann in vielen Fällen sogar die anliegenden Pegel überwachen. Außerdem lassen sich auf einem Computer zahlreiche Presets für verschiedene Einstellungen verwalten und bei Bedarf auf den Controller übertragen. Für spezielle Anwendungszwecke wie Festinstallationen werden Controller auch ohne Bedienelemente am Gerät gebaut und lassen sich so nur über einen Computer ansteuern. Dies bietet einen zusätzlichen Schutz vor Fremdeingriff.

Die Signaleinspeisung erfolgt entweder analog oder digital (bspw. AES/EBU oder Netzwerkprotokolle wie CobraNet), die Ausgangssignale für die Endstufen werden in der Regel analog abgegriffen.

Über Passwort-Hierarchien lassen sich bestimmte Bereiche des Controllers sperren bzw. freigeben, was insbesondere bei Festinstallationen und im Dry-Hire-Betrieb von Vorteil ist.

Praktische Tipps:
Falls vom Hersteller nicht anders vorgegeben, muss man sich selbst nach Gehör passende Presets erstellen. Als Startpunkt können die gängigen Arbeitsbereiche von Lautsprechern dienen:
18“-Subwoofer: von 35 Hz bis 90/100 Hz
15“-Subwoofer: von 45 Hz bis 120 Hz
Mittenton-Woofer: von 100/120 Hz bis 1,5/2,5 kHz
Hochtöner: ab 1,5/2,5 kHz
Diese Angaben sollen nur eine ganz grobe Richtung vorgeben. Weitere Einflüsse wie die genaue Größe der Hochtöner und Mittenton-Woofer sowie das vorrangig zu verwendende Musikmaterial (von Konserve oder live) sind ebenfalls zu beachten.